Reise

Autofahren in Italien – Was muss ich beachten?

Die Brenner Autobahn A22 in Richtung Süden

Die Brenner Autobahn A22 in Richtung Süden

Viele Deutsche lassen ihr Auto, wenn sie am italienischen Urlaubsort angekommen sind, aus Angst auf dem Hotelparkplatz stehen und treten in ihm erst die Rückreise wieder an. Die Gerüchte, die Italiener würden wahnsinnig schnell, gefährlich und durcheinander fahren halten sich stark, aber in Wirklichkeit ist es überhaupt kein Problem, in Italien Auto zu fahren – weder in der Stadt noch auf Landstraßen jenseits der gut ausgebauten Autobahnen. Wer in Italien einfach entspannt fährt, sich an die Verkehrsregeln hält und sich dem Verkehrsfluss anpasst, wird keinerlei Probleme haben! Die Parkkosten in vielen ital. Großstädten sind  außerdem im Vergleich zu Deutschland recht günstig.

Die Verkehrsregeln

…sind fast komplett mit den deutschen Identisch, jedoch gibt es ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Unbedingt merken sollte man sich die Tempolimits (Gilt für PKW in Km/h):

  • Innerorts: 50
  • Landstraße/außerorts: 90
  • Autobahn: 130

Die Fahrweise in Italien

… ist bei weitem nicht so temperamentvoll wie man vielleicht meinen möchte. Die Italiener sehen die Verkehrsregeln mehr als Empfehlung. So kommt es häufig vor, dass bei rot eine Ampel überfahren wird oder ständig überholt. In Ernstfall, z.B. bei einem knappen Überholvorgang auf der Landstraße bremsen die Italiener aber wesentlich früher als in Deutschland – in Italien wird mehr Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer genommen. Nicht umsonst gibt es laut Statistik in Italien wesentlich weniger schwere Unfälle als in Deutschland, Blechschäden sind jedoch häufiger und werden fast immer ohne Polizei und Versicherung in bar ausgehandelt. Ein (zu) langsam fahrendes Auto wird in Italien nicht permanent angehupt, sondern einfach überholt – egal ob innerorts oder auf der Landstraße.

Statt sich von vielen Verkehrszeichen verrückt zu machen, lieber die Geschwindigkeit einfach den anderen Fahrzeugen anpassen.

Mautticket der Brennerautobahn

Mautticket der Brennerautobahn

Autobahnen in Italien (Autostrada)

Autobahnen sind fast zu 100% mautpflichtig und mit grünen Schildern ausgezeichnet. Auf dieser interaktiven Karte des Beitreibers Autostrade per Italia kann man die Maut vorab berechnen lassen.
Auf italienischen Autobahnen  herrscht im Gegensatz zu Deutschland ein Tempolimit von 130 km/h. Das Tempo wird mit dem sogenannten “Sistema Tutor” überwacht: Dieses misst die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs an mehreren Stellen auf der Autobahn. Wenn man also dauerhaft korrekt fährt und einmal kurz 150km/h schnell war, passiert nichts. Das System ist jedoch nur auf etwa 10-20 % der Autobahnen installiert.
Die Autobahnen sind teilweise mit Anzeigetafeln ausgestattet, die es in Deutschland nicht gibt. Auf ihnen werden entweder (Warn-)Hinweise zu Staus oder Baustellen angezeigt, oder Minutenangaben und Ortsnamen. Zum Beispiel Bedeutet “Ancona 35′ “, dass man von hier aus noch 35 Minuten bis Ancona braucht. Das System errechnet die Zeitangabe anhand der aktuellen Verkehrslage.

Anzeigetafeln weißen auf den Verkehrsfluss oder Gefahren wie Staus oder Bauarbeiten hin.

 

Mit dem Mercedes Benz CLA unterwergs bei Asciano in der Toskana

Mit dem Mercedes Benz CLA unterwergs bei Asciano in der Toskana

Das sollte man sich merken:

  • Grundsätzlich: Grüne Schilder bedeuten eine (meist mautpflichtige) Autobahn, blaue Schilder einen mautfreie Bundesstraße
  • Häufig sind kostenfreie Parkplätze in der Stadt oder in Parkhäusern weiß eingezeichnet, kostenpflichtige dagegen blau. Gelb bedeutet Kurzparken.
  • Es ist streng verboten und mit hohen Bußgeldern belegt, an Mautstationen Rückwärts zu fahren oder zu wenden
  • In mehrspurigen Kreisverkehren in Größstädten sollte man immer konzentriert fahren und die Autos neben einem beachten. Hier gibt es kaum Fahrregeln.
  • Man sollte immer, besonders in Großstädten, auf Motorrad/Rollerfahrer achten. Diese drängeln sich gerne zwischen den Autos durch
  • Warnwesten müssen mitgeführt werden und bei einer Panne getragen werden (z.B. diese nach DIN Norm)
  • Außerorts muss mit Tagfahrlicht / Abblendlicht gefahren werden
  • Die Strafen für Geschwindigkeitsverstöße sind wesentlich höher als in Deutschland. Wird man mit einem Verstoß von der Polizei angehalten (was sehr selten vorkommt) muss man fast immer in bar zahlen – im schlimmsten Fall kann das Auto beschlagnahmt werden, also immer genug Bargeld sowie alle Fahrzeugpapiere mitführen!
  • Auch Parkverstöße werden meist mit einer Strafe nicht unter 35 EUR geahntet.
  • Die Promillegrenze liegt bei 0,5 – ab 1,5 Promille kann das Auto beschlagnahmt werden und wird zugunsten des Staates versteigert.
  • Im Notfall: Wie in Deutschland die 112 wählen.

Blau eingezeichnete Parkplätze bedeuten meist, dass diese kostenpflichtig sind. Gelb bedeutet Kurzparken, weiße sind meist kostenlos.

 

Die Mautstationen

Mautstationen funktionieren dank modernster Technik in Italien problemlos. Man kann außer der gelben “Telepass” Spur jede Spur benutzen. An den blauen Spuren kann man nur mit EC oder Kreditkarte zahlen, an den “weißen” Spuren (das sind die meisten) kann man mit Bargeld oder Karte bezahlen. An den gelben und blauen Spuren gibt es nur Automaten, nur die weißen Spuren werden noch von Mitarbeitern bedient. Sollte man an einer Mautstation mal kein Geld dabei haben oder die Kreditkarte nicht funktionieren, wird einfach ein Beleg mit dem Kennzeichen des Fahrzeugs (wird immer an jeder Mautstation fotografiert) und einer Bankverbindung gedruckt – man kann die geschuldete Maut dann von zu hause aus überweisen und kann natürlich trotzdem weiterfahren.

Vollautomatische Mautstation: Der zu zahlende Betrag wird angezeigt, man steckt die Kreditkarte ein, sie kommt sofort wieder heraus und die Schranke öffnen sich - ohne Unterschrift und ohne PIN Eingabe.

Vollautomatische Mautstation: Der zu zahlende Betrag wird angezeigt, man steckt die Kreditkarte ein, sie kommt sofort wieder heraus und die Schranke öffnen sich – ohne Unterschrift und ohne PIN Eingabe.

Video: Schneller an der Mautstation mit Kartenzahlung

Wichtige italienische Verkehrsschilder

  • divieto di accesso = Zufahrt verboten
  • lavori in corso = Bauarbeiten
  • parcheggio = Parkplatz
  • rallentare = langsam fahren
  • senso unico = Einbahnstraße
  • strada senza uscita = Sackgasse
  • zona pedonale = Fußgängerzone
  • in caso del nebbia = Bei Nebel
  • deviazione = Umleitung
  • tutte le direzioni = alle Richtungen
  • in galeria = im Tunnel
  • sbarrato = gesperrt
  • moderare la velocita = Die Geschwindigkeit anpassen (häufig zu lesen vor Tunnels)

Schöne und gut ausgebaute Landstraßen gibt es häufig in Italien, wie hier in der Nähe von Volterra (Toskana)

Über den Autor

Matthias Luft

Autor Matthias Luft faszinieren effiziente Motoren, moderne Designs und fortschrittliche Assistenzsysteme. Die neuesten Fahrberichte veröffentlicht er regelmäßig bei motoreport.de.

11 Kommentare

  • Dem Verfasser des Berichts muss ich in eine Reihe von angesprochen Punkten widersprechen:
    Autobahnen sind weder gut ausgebaut noch gut gepflegt, sehr schlecht sind sogenannte Schnellstraßen “SS”
    Wer sich dem Verkehrsfluss anpasst fährt fast immer zu schnell!
    Im Verlauf von ca. 12.000 km Gesamtkosten von 700€ nur für Geschwindigkeitsüberschreitung im Verkehrsfluss.
    Fährt man den Vorschriften entsprechend wird von hinten gehupt, gedrängelt geblinkt , überholt wird jedoch nur in den seltensten Fällen!
    Italiener Parken wo und wie sie wollen. Man sollte sich als Ausländer (Deutsche) aber auf keinen Fall das Recht nehmen es den Italienern gleich zu tun!
    Es wird da klar unterschieden In/Ausländer. Diskussion sind vergeblich bzw. treiben die Kosten in die Höhe!
    Fahre seit 45 Jahren regelmäßig nach Italien, halte mich im Jahr für etwa 3 Monaten dort auf, fahre etwa 8000-14000km im Jahr und dieses betrifft Norditalien bis in den äußersten Süden!
    Wer solch einen Artikel verfasst sollte wirklich wissen wovon er spricht.Denke eine Autotour durch Südtirol ist da nicht ausreichend!

    • Sehen wir genauso. Wir sind Samstag mit dem Auto runter in die Toskana und ich hatte noch nie so ein schlimmes Fahrerlebnis. Alle Hupen, niemand hält sich an die Vorschriften und jeder sitzt dir mit seinem Auto im Kofferraum.
      Es macht hier wirklich keinen Spaß. Selbst auf den griechischen Inseln ist es angenehmer.

      • Sehen wir genauso! Wir sind momentan in der Toscana und es ist das reinste Chaos. Hier hält sich niemand an irgendwas.
        Ich wurde beim korrekten Fahren in einer 50er Zone auf einer einspurigen Straße gleichzeitig Links und rechts über den Straßenrand überholt. Links Motorrad, rechts SUV und wildes gehupe und das auf einer Strecke wo Blitzer sind „Controllo de velocita“ – die Blitzer konnte ich auf dem Hinweg sehen.
        – Innerorts kam mir ein Motorrad mit sicher 100 Sachen entgegen. Ich fuhr schon 56 und der war sicher doppelt so schnell.
        – usw.
        Also hupen, drängeln usw wird dem Ruf voll gerecht. Wer sich hier an die Regeln hält ist ein Verkehrshindernis und fühlt sich wie Freiwild auf einer Autoscooterbahn!

  • Nach meinem letzten Italien-Aufenthalt (Anfang Juni 2016) habe ich mir geschworen: Ich fahre keinen Meter mehr auf italienischen Strassen. Die reine Anarchie! Wer als Italiener mit 250 km/h über die Autobahn rast, wird von der italienischen Polizei nicht einmal beachtet. Wer mit 135 km/h fährt (also 5 km/h zu viel), wird gebüsst.

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