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Autofahren mit Einschränkung: Handbedienung statt Pedale

mitsubishi asx outlander behindertengerecht

Mit einem einfach nachgerüsteten Hebel steuert man Gas und Bremse – wir waren erstaunt, wie gut das funktioniert!

Im Rahmen eines Offroadtrainings mit der aktuellen Mitsubishi Flotte konnten wir auch einige Sonderaufbauten und -Derivate der japanischen Allradmarke kennenlernen. Selbst als erfahrene automotive Schreiber hatten wir bislang nie Kontakt zu “alternativen Steuerungselementen” für die Pedalerie – und waren beeindruckt, wie gut mittlerweile auch per Hand Gas gegeben werden kann.

Konkret haben wir uns in zwei Mitsubishi Handbedienungen für Gas und Bremse angesehen. Sie sind von jeder Werkstatt bei jedem Modell leicht einzubauen und auch unter 1.000 Euro erhältlich. Logisch, dass das Fahrzeug optimaler Weise ein Automatikgetriebe haben sollte. Partner des Mitsubishi Marketing ist in diesem Fall der deutsche Spezialhersteller Veigel, auf dessen Produkte wir hier eingehen.

Beispiel: Hand-Gas im extrem günstigen Mitsubishi Space Star

Spannend für die Basics an Mobilität ist etwa der Mitsubishi Space Star: Er bietet innen praktisch genauso viel Platz wie ein Golf und ist auch für wenig Geld mit einem Automatikgetriebe zu bekommen. Ausgestattet mit Veigels Handbedienung Classic II kann jeder, dessen Beine bewegungseingeschränkt (oder natürlich gar nicht beweglich) sind den Kleinwagen überraschend einfach steuern: Bei den Hebelbedienungen ist es immer ein Hebel, der sowohl Gas als auch Bremse steuert. Dabei wird die Kraft aus der Hand rein mechanisch auf die Pedalerie übertragen. Bei der Classic II Steuerung dreht man den Hebel im Uhrzeigersinn um Gas zu geben, drückt man den kompletten Hebel nach vorne, bremst man. In der Regel wird auch noch eine Lenkhilfe benötigt: Dabei handelt es sich um einen einfachen Drehknopf, der das sichere Lenken mit einer Hand ermöglicht.

Veigel Classic II Handsteuerung (hier in einer B-Klasse)

Komfortabel: Handsteuerung Compact II von Veigel

Für Fahrer, die noch mehr Wert auf unauffälliges Design legen, gibt es von Veigel die Handsteuerung Compact II. Zieht man den oberen Teil des Hebels nach hinten, geht es Vorwärts, drückt man den gesamten Hebel nach vorne, wird gebremst. Diese Form der Handsteuerung ist die wohl komfortabelste und platzsparendste. Außerdem ist es beeindruckend, wie geschmeidig die Bewegungen funktionieren und auf die Pedale übertragen werden. Der Hebel kann auch in der Brems-Stellung arretiert werden. Möchte man permanent Gas geben, nutzt man einfach den (elektronischen) Tempomat, den in der Regel mittlerweile alle halbwegs neuen Modelle mit Automatik serienmäßig an Bord haben. In unserem Show-Aufbau ist die Handbedienung in einem Mitsubishi Outlander installiert, der auch jede Menge Platz für einen Rollstuhl im Kofferraum oder beste Voraussetzungen für einen automatischen Rollstuhl-Lift aus dem Kofferraum mitbringt.

Noch komfortabler: Handsteuerung Compact II im Skoda Octavia (Ziehen: Gas geben, nach vorne Schieben: Bremsen)

Fahrerwechsel? Kein Problem dank umklappbaren Hebeln

Teilt sich ein bewegungseingeschränkter Fahrer ein Fahrzeug mit Fahrern, die nicht auf das Handgas angewiesen sind, kann innerhalb von Minuten umgestiegen werden. Fährt man mit Handbedienung, müssen z.B. die Pedal mit einer Pedalabdeckung abgedeckt werden, damit eventuelle Prothesen nicht versehentlich mit der Pedalerie in Berührung kommen. Fahrt man klassisch mit den Pedalen, kann die Handbedienung einfach umgeklappt werden.

TÜV & DEKRA entscheiden über nötige Einbauten und Fahrzulassung

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind leider eng gesteckt und umständlich, sorgen aber gleichermaßen für ein sicheres Fahren für alle im Straßenverkehr. So benötigt man sowohl zum Erwerb als auch zur Aufrechterhaltung des Führerscheins (nach dem Eintritt einer Behinderung) ein medizinisches Gutachten durch einen Facharzt sowie ein medizinisch-psychologisches Gutachten zur Fahreignung (§ 11 FeV Abs. 2). Außerdem benötigt man ein Eignungsgutachten zum Führen eines Kfz (§ 11 FeV Abs. 4) von der DEKRA / dem TÜV (diese nehmen üblicherweise auch die Fahrschulprüfungen ab).  TÜV / DEKRA schlagen in diesem Gutachten der Zulassungsbehörde Auflagen vor, die meist im Führerschein hinterlegt sind. Diese Auflagen reichen vom Tragen einer Brille bis eben zur Fahrerlaubnis mit Modifikationen wie der Handbedienung der Pedale. Wenn bereits ein Führerschein vorhanden war / ist, ist nicht konkret geregelt, ob eine weitere Fahrprüfung abgelegt werden muss.

Veigels Handbedienungen gibt es farblich passend zum Fahrzeuginnenraum – auch in rotem Leder

Muss ich meine Behinderung zwingend melden und eintragen lassen?

Tatsächlich besteht das Recht auf die Teilnahme am Straßenverkehr für jedermann und entsprechend müsste man der Zulassungsbehörde keine Meldung geben, wenn man beispielsweise nach einem Unfall nicht mehr gehen kann oder anderweitig eingeschränkt ist. Ein Führerschein bleibt auch nach Eintritt einer Erkrankung oder Behinderung bestehen. Allerdings heißt es im Gesetzestext, dass jeder bei “Einschränkungen körperlicher oder geistiger Art […] geeignete Vorsorge zu treffen [hat] (§2 FeV). Kommt es nun zu einem Unfall und eine grobe Einschränkung war nicht im Führerschein hinterlegt, können Versicherungen die Leistung verweigern!

Viele Behinderungen sind überhaupt kein Grund, nicht Auto zu fahren! Auch bei  Koordinationsproblemen beim Schalten, Gasgeben und Bremsen ist ein Automatikgetriebe mit Handbedienung eine großartige Lösung. Wichtig ist aber, das Fahrzeug entsprechend auszustatten, dass es für den Fahrer bestens bedienbar ist und er für andere Verkehrsteilnehmer nicht zur Gefahr wird – das ist vor allem wichtig, wenn man nur selten fährt oder nach lange Zeit wieder mit dem Autofahren anfängt.

 

Fotos: Veigel, autoirrtum.de

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Über den Autor

Matthias Luft

Autor Matthias Luft faszinieren effiziente Motoren, moderne Designs und fortschrittliche Assistenzsysteme. Die neuesten Fahrberichte veröffentlicht er regelmäßig bei motoreport.de.

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